07.27.2012

Die Geschichte Kaschmirs

Wolle und Krieg. Das sind die beiden Begriffe, die wohl jedem Menschen als erstes in den Kopf kommen, wenn von Kaschmir die Rede ist. Ein Blick auf die Geschichte dieser weltbekannten Region lässt die Vermutung aufkommen, dass sie tatsächlich seit Jahrtausenden nur wenig anderes kennt als diese beiden Stereotypen.

Eine Region – Viele Herrscher

In früher Zeit war Kaschmir ein Knotenpunkt des Handels zwischen Süd-, Zentral- und Vorderasien. Händler aus Indien, Persien, China und Arabien durchquerten die Region auf ihren Handelsrouten.

Um 250 v. Chr. besetzte das Mauryareich unter der Führung Ashokas Kaschmir, in Zuge dessen der Buddhismus verbreitet wurde.

Gegen Ende des 16. Jh. wurde Kaschmir abermals von einem großen Reich annektiert. Der persische Großmogul Akbar gliederte es dem Mogulreich ein und etablierte den Islam als neue Religion. Im Jahre 1739 wurde es dann von dem persischen Schah Nadir im Zuge dessen Eroberung des Mogulreiches besetzt, bis der damalige Statthalter Kaschmir im Jahre 1809 wieder für unabhängig erklärte. Aufgrund von mangelnden militärischen Möglichkeiten blieb dieser Zustand allerdings nur knapp zehn Jahre erhalten, denn dann beschloss der indische Feldherr Ranjit Singh Kaschmir in sein neu geformtes Reich der Sikh einzuverleiben.

Zur Zeiten der britischen Kolonialherrschaft über Indien (Aktuelle Austellung im Spiegel vorgestellt), die durch den Triumph der britischen Armee über das Sikh-Reich im Jahre 1846 eingeläutet wurde, war Kaschmir erstmals seit mehreren Jahrhunderten der Fremdbestimmung wieder nahezu souverän, denn als eines von vier Fürstentümern, die, im Gegensatz zu den indischen Provinzen, nicht direkt der britischen Krone unterstanden, wurde Kaschmir in vielen Bereichen Selbstbestimmung zugebilligt und ein hohes Maß an Autonomie zugestanden.

Das Ende der britischen Herrschaft und der Beginn neuer Konflikte

Immer wieder wird die Region durch bewaffnete Konflikte heimgesucht

Auch die britische Fremdherrschaft über Kaschmir fand mit der Unabhängigkeitserklärung Indiens im August 1947 ein jähes Ende. Kaschmir konnte sich daraufhin entscheiden, ob es lieber unabhängig werden oder sich dem neu gegründeten indischen Staat anschließen wollte, wobei der Entschluss zunächst auf die Unabhängigkeit fiel. Doch nur wenige Wochen darauf besetzten Truppen des ebenfalls neu gegründeteten, jedoch muslimisch geprägten Pakistans einen Großteil der Region. Der große Nachbar Indien bot umgehend seine Unterstützung an, jedoch nur unter der Bedingung, dass sich Kaschmir im Gegenzug Indien anschließen würde. Aus Angst vor der muslimischen Unterdrückung akzeptierte der damalige Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, das Angebot Indiens. Die Folge war der erste Kaschmirkonflikt, der nur durch die Intervention der UNO im Jahre 1948 beendet werden und mit der Aufteilung Kaschmirs in einen inidschen und einen pakistanischen Teil endete.

Teilautonomie und erneute Konflikte

Im Jahr 1957 wurde zumindest dem von Indien besetzten Teil Kaschmirs uneingeschränkte Autonomie gewährt, der fortan unter dem Namen Jammu und Kaschmir als ein indischer Bundesstaat weiterexistieren sollte. Da aber in diesem, im Gegensatz zum übrigen Indien, mehrheitlich Muslime lebten, wollte Pakistan seine Ansprüche auf die Kontrolle der gesamten Region unter keinen Umständen aufgeben. Weitere Spannungen zwischen den beiden Ländern entstanden und die Folge war ein weiterer Krieg um die Vorherrschaft in Kaschmir, bei welchem Pakistan allerdings mehr Territorium einbüßen musste als es dazugewinnen konnte.

Ein Ende des Konflikts ist nicht in Sicht

Bis heute treiben Pakistan und Indien den Konflikt um die begehrte Region fort und keiner von beiden denkt daran, auch nur ein Stück von seiner festgefahrenen Postition abzuweichen. Zudem sind die Unabhängigkeitsbestrebungen der Region stärker denn je. Die zahlreichen Herrscher haben zwar viel Leid und Verwüstung über Kaschmir gebracht, aber die dadurch entstandene kulturelle Vielfalt, sowohl in religiöser als auch in ethnischer Hinsicht, haben die Region auch in positiver Weise geprägt und gestärkt.

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